• frauke kausch

«Führungspersonen sollten die richtigen Menschen zusammenbringen»

Mit André Wyss, CEO von Implenia, haben wir über seinen bemerkenswerten Weg von der Pharma- zur Baubranche mit Stationen in unterschiedlichen Märkten, Kulturen und Funktionen gesprochen sowie darüber, was eine gute Führungspersönlichkeit nicht nur in Krisensituationen ausmacht.


André Wyss, CEO von Implenia


Von der Pharma- zur Baubranche – was hat dich gereizt, bei Implenia das Ruder als CEO zu übernehmen?

Es haben mehrere Faktoren mitgespielt. Die Bau- und Immobilienbranche ist spannend. Am meisten fasziniert mich das Zusammenspiel unserer vielen Experten und Spezialisten mit Kunden und Partnern bei grossen und komplexen Immobilien- oder Infrastrukturprojekten. Vor Implenia war ich in der Konzernleitung von Novartis unter anderem für den Bau von Fabriken und komplexen Gebäuden verantwortlich. Davor durfte ich sehr breit Erfahrungen sammeln – als Länder-, Produktions- wie auch Finanzverantwortlicher, um nur einige zu nennen. An vielen Orten habe ich die Einheiten durch eine grössere Transformation geführt. All dies führte zum Wunsch, CEO eines grösseren Unternehmens zu werden.


Auf die Aufgabe bei Implenia habe ich mich dann schon vor dem Start gut vorbereiten können und rasch die vielen Gestaltungsmöglichkeiten und das grosse Potenzial bei Implenia erkannt. Nach weniger als einem halben Jahr habe ich im Frühling 2019 eine neue Strategie und die neue Organisationsstruktur vorgestellt. Inzwischen ist die Transformation von Implenia zu einem integrierten, multinational führenden Bau- und Immobiliendienstleister weit fortgeschritten.


Welche Fähigkeiten erachtest du für künftige Führungskräfte als besonders wichtig?

Junge Talente sollten ihrer Leidenschaft folgen und tun, wofür sie brennen – das bringt Erfolg und Spass bei der Arbeit. Strebt man eine Führungsposition an, ist es wichtig, in möglichst unterschiedlichen Bereichen, Teams und Ländern Erfahrungen zu sammeln. Es sind auch bei mir diese vielen verschiedenen Rollen, vom Lehrling bis zum CEO, und dies in verschiedenen Märkten und Kulturen, durch die ich mich für die jeweils nächste Aufgabe und Stufe ständig verbessern und vorbereiten konnte.


Führungspersonen sollten zuhören können, die richtigen Menschen – Mitarbeitende, Kunden oder auch Partner – zusammenbringen und sie für ihre Arbeit sowie für positive Veränderungen begeistern. Auch die Fähigkeit zum Coaching von Teams und einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erachte ich neben dem richtigen Mindset als wichtige Voraussetzung. Selbst sollte man zudem immer offen bleiben und auch für sich Coachings und Mentorings in Anspruch nehmen. So erhält man intern wie extern offene Feedbacks, neue Sichtweisen und andere Perspektiven.


Die Baubranche ist traditionell eher männerdominiert. Ihr habt zwei Frauen in der Geschäftsleitung bei Implenia. Wie begegnet Ihr der Herausforderung, einen ausgewogenen «Mix» auch auf Managerstufe zu etablieren?

Genau, damit sind ein Viertel unserer Geschäftsleitungsmitglieder Frauen, eine unserer vier Divisionen wird von einer Frau geleitet. Als Bau- und Immobiliendienstleister sind wir in einer grossen Vielfalt von Berufsfeldern tätig – unter anderem arbeiten bei uns Kranführerinnen, Tunnelbohrmaschinen-Pilotinnen, Architektinnen, Finanzspezialistinnen oder Juristinnen. Dies in allen Fachgebieten und Führungsstufen. Mit unseren grossen, komplexen Projekten und guten Entwicklungsmöglichkeiten ziehen wir immer mehr hervorragende Kolleginnen aus den unterschiedlichsten Berufen an, die bei Implenia Karriere machen. Zudem offerieren wir wo immer möglich flexible Arbeitsmodelle, die es jungen Eltern – Vätern wie Müttern – erlauben, Karriere und Familie gut zu vereinbaren.


Zu ergänzen ist natürlich, dass sich Diversität nicht auf die Frage nach dem Frauenanteil reduzieren sollte. Es sind vielfältige Persönlichkeiten, die kulturelle Herkunft und Entwicklung, Ausbildungswege, Erfahrungsschätze, Lebensweisen und Mindsets, die Diversität ausmachen. Eine solche, breit gefasste Diversität führt in der Zusammenarbeit immer zu besseren Lösungen als die eines Einzelnen.


Wie motiviert man Mitarbeitende in Krisenzeiten?

In herausfordernden Zeiten ist es noch wichtiger, dass das Management für Mitarbeitende sicht- und spürbar ist, Empathie zeigt und zuhört. Speziell in Krisenzeiten ist es notwendig, dass Mitarbeitende Extrameilen gehen. Dazu sind sie bereit, wenn die kulturelle Basis und gutes Leadership besteht sowie insbesondere Kollaboration und Integrität gelebt werden. Dies nicht zum Selbstzweck, sondern der Mission oder dem «higher purpose» folgend – bei Implenia ist dies, wie «wir mit und für Menschen in unseren Projekten nachhaltig entwickeln, planen und bauen». Entsprechend hoch ist die Identifikation unserer Mitarbeitenden mit ihren Projekten. Das sehe ich oft, wenn ich auf unseren grossartigen Baustellen unterwegs bin. Man kann dafür gar nicht genug Wertschätzung zeigen, darum haben wir eigens die interne Kampagne «You Matter!» lanciert, die gegenseitige Wertschätzung fördert.


Während der COVID-19-Pandemie hat sich das gezeigt: Globale und lokale Taskforces, eine gute Planung und Umsetzung sowie regelmässige und transparente Kommunikation und Dialog auf vielen Kanälen führten zum Erfolg. Dadurch haben unsere Mitarbeitenden rasch reagiert und alle am gleichen Strick gezogen. Dank ihrem grossen Einsatz wurden die Schutzmassnahmen auf unseren Baustellen und in unseren Büros gemäss lokalen Vorgaben überall und immer rasch umgesetzt. So haben wir sichergestellt, dass wir die Baustellen wo immer möglich offenhalten und für unsere Kunden weiter bauen konnten. Als CEO bin ich sehr stolz darauf zu sehen, wie unsere Gruppe in Krisenzeiten zusammensteht und alle mitziehen, das Unternehmen stabilisieren und es wieder für die erfolgreiche Zukunft ausrichten.


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