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Lösungen finden oder untergehen. Mit Biohacking zu mehr Resilienz?

Rolf Duda ist Biohacker und bietet mit seinem Unternehmen peakvise bzw. unter der Marke peakwolf Kurse wie Kältetrainings und Atemcoachings für Firmen, aber insbesondere für Manager an. Er sieht in den Methoden nicht irgendein Wellness- oder Gesundheitshype zur Entspannung, sondern zielt viel mehr auf eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und Stressresistenz, um belastbar zu bleiben und belastbarer zu werden. Die Verbesserung der eigenen Gesundheit sieht er als zentralen Aspekt in diesem Prozess.



FischWorks: Rolf, was ist Biohacking und was bringt es mir, mich absichtlich im Kältetraining in eine eiskalte Wanne zu stellen?


Rolf Duda: Unter Biohacking verstehe ich, seine Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen. Das kann man aber nur machen, wenn man sich dazu auch befähigt fühlt. Dazu braucht es ein gewisses Verständnis der grundlegenden Prozesse und Mechanismen in unserem Körper. Dieses vermittle ich in meinen Trainings und Workshops an einfachen Beispielen aus dem Arbeitsalltag (vor allem im Büro - darum heisst mein Programm ja auch «artgerechte Bürohaltung»). Mein klassisches Beispiel ist hier der Kaffee. Jeder trinkt Kaffee, um "wacher" zu sein. Wenn man als Biohacker aber versteht, was hier im Körper passiert (Koffein dockt am Rezeptor für Adenosin an), dann weiss ich plötzlich: Kaffee macht mich nicht wacher, sondern Kaffee verhindert nur, dass ich spüre, wie müde ich eigentlich bin. Mit diesem Verständnis unseres Körpers können wir dann gezielt nach Ansatzpunkten zur Verbesserung suchen. Das kann Leistungssteigerung sein, aber meist geht es ja "nur" darum, bestehende Probleme z.B. Schmerzen oder potentielle Gefahren wie langes Sitzen auszugleichen, damit wir in vielen Jahren immer noch gesund und happy sind. Man erkennt dann auch recht schnell, dass die meisten Gefahren oder Probleme aus unserer Bequemlichkeit heraus resultieren. Jeder weiss ja, dass er besser essen, sich mehr bewegen und länger schlafen sollte. Um die Bequemlichkeit zu verlassen, müssen wir raus aus der Komfortzone. Genau hier kann mir dann natürlich das Eiswasser auf ganz vielerlei Arten helfen.


Wen sprichst Du gezielt an und wie gehst Du in Deinen Trainings vor?


Im Prinzip jeden, der bereit ist etwas für sich zu tun. Aber durch meine Vergangenheit als Management Berater schon vor allem Menschen im Büro, deren Probleme ich nur allzugut kenne. Hier baue ich im Training zunächst die Brücke zwischen dem normalen Büroarbeitstag und zeige dann die vielen noch unbekannten Themen wie z.B. Licht als Zeitgeber auf. Im Anschluss gebe ich dann ein Erlebnis bzw. eine Erfahrung durch z.B. Atemtechniken, Bewegung oder eben Eisbäder und erkläre danach, was dort in uns passiert ist. Wichtig ist jedoch am Ende noch aufzuzeigen, wie man solche Methoden in seinen Alltag und sein normales Leben integrieren kann und was die minimal effektive Dosis ist.


Ein wichtiges Ziel für Dich ist es ja, mehr auszuhalten (ganz allgemein, nicht speziell beruflich oder privat), ohne kürzer treten zu müssen, sondern im Gegenteil mehr leisten und mehr erreichen zu können. Wie gelingt das? Und oft wird in dem Zusammenhang von Work-Life-Balance gesprochen. Du vermeidest das Wort aber bewusst.


Ich bin kein Freund des Konzepts einer Work-Life-Balance, weil das für mich nie wirklich Sinn gemacht hat. Wahrscheinlich bin ich deshalb immer Unternehmer gewesen. Aber ich habe nie verstanden, warum man diese zwei Dinge in Balance bringen soll. Eine Trennung macht hier keinen Sinn für mich, da ich ja nur ein Leben habe. Das muss einfach in sich stimmen und meine Präferenzen, Werte und Ziele wiederspiegeln. Ich mache ja auch keine Frau-Fernsehen- oder eine Sport-Freunde-Balance. Für mich beginnt daher immer alles bei mir selbst.


Du hattest selber früher einen Börojob und sahst Dich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Sackgasse. Wie hast Du diese Zeit erlebt und wie bist Du zum Biohacking gekommen?


Hier hatte ich das "Glück" durch die Probleme meiner Mitmenschen zu lernen. Ich habe durch deren Krankheiten erkannt, dass es so nicht in meinem Leben weitergehen soll. Ich wollte immer nur Freiheit, daher war ich auch Unternehmer. Als ich aber durch das Biohacking gelernt habe, wirklich auf mich (meine Gefühle und nicht nur meinen Kopf) zu hören, bemerkte ich, dass ich diese Freiheit selbst ständig mit vermeintlichen Erfolgsgeschichten behinderte. Im ersten Schritt habe ich dann angefangen mir mehr Freiheit zu verschaffen indem ich z.B. als Unternehmer mehr an meine Partner oder Mitarbeiter delegiert habe. Hier habe ich gemerkt, dass Kontrolle das Gegenteil von Vertrauen ist! Ich habe mich dann gefragt, warum ich in bestimmten Situationen oder Themen nicht vertrauen kann. Das spannende bei diesen Fragestellungen ist immer eine Antwort, die auf dich bezogen ist, d.h. etwas, das bei mir im Mangel ist. Und wenn ich das erkannt habe, habe ich es ausradiert bzw. geändert. Dummes Beispiel, aber wenn ich meiner Frau im Ausgang nicht vertraue, dann ist die Antwort, dass ich mir meines Selbstwertes und daher auch dem Wert für die Beziehung nicht im klaren bin - ich habe also einen Mangel an Selbstwert.

Diese Vorgehensweise hat mich dann immer Schritt für Schritt weiter gebracht. Ich spürte plötzlich, wie sich Freiheit in meinen Augen wirklich anfühlen kann. Letzten Endes wollte ich mehr von diesem Gefühl und das Trauma durch den Verlust unserer Zwillinge im 6. Monat hat mir dann endgültig den nötigen Arschtritt verpasst. Ab da startete meine Biohackingreise mit Vollgas und mit der Zeit fingen meine bisherigen Kunden nach und nach an, nach Vorträgen und Workshops zu fragen. Plötzlich ging es dann sehr schnell und mit Corona hatte ich auf einemal einen neuen Full-time-Job ;-)


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